"Ökumene setzt gesunden eigenen Glauben voraus"

 

 

 

Damit wir richtig Ökumene treiben können, setzt es einen gesunden eigenen Glauben voraus. Sonst wird nicht Vielfalt in Einheit, sondern kleinster gemeinsamer Nenner des Glaubensgutes von dem, was alle gemeinsam glauben, oder ausschließlich das, worin die stärkere Überzeugung liegt. Religiöser Glaube setzt ja jene Überzeugung voraus, die meinem Leben eine bestimmte Richtung gibt. Wenn der eine in seinem Glauben überzeugt ist, ein Heiligenbild aufhängen zu müssen, der andere aber überzeugt ist, kein Heiligenbild aufhängen zu dürfen, dann wird bei fehlendem gesunden Glauben die Durchführung des stärkeren Argumentes erfolgen und das Beharren auf der Ausschließlichkeit. Ökumene beinhaltet aber den Respekt gegenüber der anderen Glaubenseinstellung, das wiederum Voraussetzung für die Vielfalt in Einheit ist. Die Sehnsucht nach der Einheit ohne Pflege des eigenen Glaubens ist wie die Einstellung von Kindern, die sich lieber beim Nachbarn aufhalten, weil es ihnen dort besser gefällt, oder dort gar noch Ordnung machen wollen, während ihr eigenes Zimmer in Unordnung ist.

 

 

 

Hannes Binder, Priester im Kloster Hartberg