Weltuntergang

 

 

 

Weltuntergang spielt besonders in Sekten eine große Rolle. Das kann für uns ein Kriterium des gesunden Glaubens sein: Für wen das Ende der Welt eine dominante Rolle spielt, für den hat der Tod eine größere Bedeutung als der Auftrag des Lebens und er geht damit an seiner Berufung zum Leben vorbei. Diese Einstellung ist dem christlichen Glauben feind. Das Christentum verschweigt nicht das Kommen des Herrn, das gleichbedeutend ist mit dem Ende der Welt. Jesus selbst spricht ja davon. Es soll aber nicht zu einem Hauptthema werden. Die Prioritäten müssen stimmen. So wie ein Künstler sein Werk vom Ende her betrachten muss, d.h. wie es am Schluss aussehen soll, so muss auch der Mensch sein Leben vom Ende her in den Blick nehmen. Die Aufmerksamkeit ist aber auf das Leben selbst gerichtet. Die Bedeutung des Weltuntergangs ist die Erinnerung für jeden einzelnen Menschen an sein Ende auf Erden und an die Konsequenzen seines Lebens. Es ist wie im Straßenverkehr: Wenn wir nicht wachsam sind, wird mit großer Wahrscheinlichkeit ein Unfall passieren. Sind wir andererseits auf die Möglichkeit eines Unfalls fixiert, werden wir im Verkehr nicht voran kommen. Auf das Leben bezogen heißt das: wir sind nicht lebenstüchtig, wir leben am Leben vorbei. Wir haben unser Leben zu verantworten und spätere Generationen werden uns beurteilen.

 

 

 

Hannes Binder, Priester im Kloster Hartberg