"Das halb gefüllte Glas"

 

 

 

„Das Glas ist halb voll bzw. halb leer.“ Dieser Spruch ist bekannt. Was alles dahinter verborgen ist, wird zu wenig bedacht. Jede Aussage hat ein „Umfeld“ von weiteren Inhalten. „Das Glas ist halb voll“ beinhaltet: es kann voll werden, ich habe immer noch ein halb volles Glas, ich habe genug. Andererseits: „Das Glas ist halb leer“ beinhaltet: es wird immer weniger, ich habe zuwenig, mir fehlt was. All diese Aussagen haben für sich wieder Botschaften in sich, die nicht minder mitschwingen: ich bin gesättigt, ich werde nicht verdursten, ich bin so reich beschenkt, ich lebe in einem Land wo Milch und Honig fließen, wenn es mir so gut geht, sollte ich auch was für andere Menschen tun. Andererseits: Ich habe nichts zu trinken, ich werde verdursten, das passiert immer wieder, das haben andere verursacht, ich muss mich rächen, die Welt ist so schlecht …

 

Die vielen Enttäuschungen, die wir erleben, lassen uns schnell zu negativen Gedanken kommen. Darum müssen wir uns in Gedanken immer wieder aufraffen, das Glas als halb voll zu sehen, dankbar zu sein über das, was wir haben. Bei den Gedanken fängt unsere Grundeinstellung an und damit der Einfluss auf die Welt.

 

 


Hannes Binder, Priester im Kloster Hartberg