Traditionsgebet


„Das Gebet hört bei Menschen auf, das von Gewohnheit getragen ist.“ Ich nenne den
Namen nicht, der das gesagt hat, damit die Aufmerksamkeit nicht beim Urheber
dieser Aussage hängen bleibt und den Inhalt übergeht. Wie viele Menschen kenne
ich, an denen genau das zu beobachten ist! Diese Eigenschaft ist auch direkt
plausibel zu überprüfen. Man denke an irgend einen Menschen, der nur aus
Gewohnheit mit mir kommuniziert. Würde mich das erfüllen? Wenn ich aber mit
einem Problem an ihn heran trete, „schaltet“ er ab. Wenn das Gebetsleben nur aus
Traditionsgebeten besteht und daraus kein persönliches Gebet erwächst, stirbt es mit
hoher Wahrscheinlichkeit bei der nächsten Krise.

 

 

Hannes Binder, Priester im Kloster Hartberg