Leben und Tod

 

 

 

Im Angesicht des Todes erwacht ein Marxist aus seiner atheistischen Weltanschauung und fragt verzweifelt, was mit ihm nach dem Tod geschieht. Das erfährt ein französischer Pater, der im Zweiten Weltkrieg Zeuge von der Hinrichtung von Geiseln geworden ist. Da stellt sich die Frage, wie kommt es, dass der Mensch ein Leben lang Gott leugnet, aber in der Todesstunde plötzlich dafür wach wird? Wie eine Kehrseite dazu erscheint mir die Bemerkung von Dostojewski, der sinngemäß sagt, dass ein Mensch, der alles zum Glücklichsein hat, nur auf verderblichen Unsinn aus ist. Kurz gesagt heißt das: Hat der Mensch alles, sucht er den Tod, sieht er sich verloren, sucht er Gott.

 

 

Hannes Binder, Priester im Kloster Hartberg